Bildergeschichten – was steckt hinter dem Motiv

Man hört ja oft, ein gutes Foto (bzw. Bild allgemein) solle „eine Geschichte erzählen“. Ich bin immer stärker der Meinung, dass das für den Betrachter letzendlich egal ist. Wie oft ist die Intention des Künstlers/Urhebers und die Wirkung die das Werk erreicht völlig unterschiedlich.

Island-Asche-Asphalt

Das menschliche Gehirn wird immer versuchen, aus allen verfügbaren Informationen einen Zusammenhang zu konstruieren – und „alle verfügbare Informationen“ schließt natürlich die eigenen Erinnerungen (und auf die hat der Künstler keinen Zugriff) nun mal explizit ein.

Wer ein Bild sieht, einen Film schaut, ein Musikstück hört baut immer ein neues Teil in sein privates Puzzle ein. Dort, wo es in das Bild Bild das dieses Puzzle zeigt passt.

Prozesse ohne Wirkung?

Meine Bilder sollen zwar die Prozesse, die in meinem Kopf während der Verarbeitung durch Vergessen, Vermischen, Ignorieren etc. darstellen, aber wer sagt, denn, dass der Betrachter das genau so sieht. Ich wurde schon öfters darauf angesprochen, meine Bilder hätten „so was Malerisches“. Anfangs war ich überrascht, dann aber erkannte ich, dass das stimmt. (Darauf gehe ich demnächst mal weiter ein)
Die Betrachter reagierten also nicht auf mein ” Motiv hinter meinem Motiv”, sondern sahen ein wie auch immer entstandenes „malerisches Bild“, das sie aus den verschiedensten Gründen ansprach – und diese Gründe kamen aus ihnen selbst. Sie sahen immer ihre eigenen “Bildergeschichten”.

Schlimm? Nein.
Aber ich habe erkannt, dass ein gutes Bild keine „Geschichte erzählen muss “, sondern „eine Geschichte inspirieren“ kann. Ein Bild, dass das nicht schafft, hat für den Betrachter viel weniger Reiz, als eines mit dieser Wirkung. Was diese “Bildergeschichte” erzählt kann mit dem Motiv evtl. auch gar nichts zu tun haben (vordergründig zumindest).

Habt ihr das selbst schon mal erkannt, dass ihr etwas seht und dann eure eigene Phantasie anfängt zu produzieren?
Was ist denn eure Geschichte hinter dem Bild dieses Beitrags?