"Man soll nicht alles glauben, was man denkt." Das wusste schon Heinz Erhard

Denkfehler sind Businessfehler

Nachdem vor zwei Jahren in mein Fotostudio eingebrochen und meine komplette Fotoausrüstung (darunter 5 Kameras und ca. 15 Objektive) geklaut wurde, versuchte ich bei der Wiederbeschaffung sehr systematisch vorzugehen. 

Ich prüfte die Aufnahmen der letzten Jahre und konnte so erkennen, mit welchen Objektiven und Kameras ich die meisten Aufnahmen gemacht hatte. 

Das Ergebnis war klar: 80 Prozent aller Aufnahmen habe ich mit einer einzigen Kamera/Objektiv-Kombination gemacht.
Das machte die Wiederbeschaffung einfach. Exotische Ausrüstungsteile blieben außen vor. Die Mittelformatkamera und ein Objektiv dazu war die erste Neuanschaffung. 

Aber mal ganz kritisch betrachtet - welcher Kunde hatte eigentlich die hohe Auflösung und extreme Bildqualität des Mittelformats zu schätzen gewusst?

4 Felgen mit retuschierter Dokorfarbe
Technische Qualität, gestalterische Qualität, Zuverlässigkeit... was zählt am meisten?
Bild KI-generiert.
Langsam machte sich Ernüchterung breit. In was hatte ich eigentlich noch Zeit und Geld investiert, das für meine Kunden keinen zählbaren Wert hatte? 

Meine Kundschaft besteht zu ca. 80 % aus technischen Industrieunternehmen. Und dort sind die Inhaber oder Profis aus der Abteilung Marketingkommunikation meine Ansprechpartner. 

Wofür haben die mich im Rückblick eigentlich gebucht? 105 Megapixel Bildauflösung sind es offensichtlich nicht was Unternehmenskunden frontal anspricht. 

Eine Übersicht musste her. Was zählt wirklich? 

  • - Kreativität 
  • - Top-Ausrüstung 
  • - Langjährige Erfahrung 
  • - Qualität meines Portfolios 
  • - Note meines Design-Diploms 
  • - Zuverlässigkeit 
  • - Referenzkunden 
  • - Referenzprojekte 
  • - Preis 
  • - Liefergeschwindigkeit 
  • - Reaktionsgeschwindigkeit 
  • - Breite meines Angebotes (Fotos, Bildbearbeitung, CGI...) 
  • - Beratung 
  • - Flexibilität bei der Umsetzung 
  • - Pünktlichkeit 
  • - Freundlichkeit 
  • - Gestalterische Kompetenz 
  • - Problemlösungskompetenz 

Vor dem Weiterlesen bitte einfach mal in Gedanken die drei wahrscheinlichsten Kriterien für die Auswahl eines Fotografen ankreuzen. 

Die Auflösung ist erstmal bitter: Kreativität und schicke Beispielbilder zählen fast nichts. Profis buchen Profis. Und das heißt "Sicherheit". Es geht fast nie um das gestalterisch beste Ergebnis, es geht darum, ein angemessenes Ergebnis zu einem feststehenden Termin zu bekommen. Termine sind heilig, Kreativität ist es nicht. Eine Messe fängt auch an, wenn dein toller Messestand noch nicht fertig gestaltet ist. 

Als "Fotograf" kämpfe ich auf der gleichen Ebene wie 1000 andere.
Als "Partner der Industrie" teile ich mir den Markt nur noch mit einer Handvoll kompetenter Problemlöser. 

Das meiste positive Feedback bekomme ich nicht für die Bilder die ich liefere sondern oft dafür, dass ich sie schnell liefere, dass ich das Leben der Marketingleute einfacher mache und, dass ich Lösungen liefere die die meist völlig überlasteten Leute in den großem Firmen nicht selbst haben. 

Fazit

Im Studium sagte ein Prof zu mir. "Was ihr Job als Designer ist? Ganz einfach: Sie liefern coole Lösungen für uncoole Probleme."
Besser kann ich es selbst, mit nun über 30 Jahren Berufserfahrung, auch nicht sagen.

Diese uncoolen Probleme sind: Termindruck, die Suche nach Zuverlässigkeit, Verständnis der eigenen Herausforderungen. Die Spielräume für Experimente sind heutzutage deutlich geringer, als noch zu der Zeit, als in den Beruf eingestiegen bin (1995). 

Niemand in unternehmerischen Hierarchien möchte sich heute fragen lassen warum Projekte nicht fertig werden, oder die geforderten Lösungen nicht geliefert werden und als Antwort nur parat haben: " Wir haben mal was ausprobiert." 

Meinen Kunden sage ich gerne: "Meine Leistung ist wie Aspirin - wenn Sie mich buchen haben sie keine Kopfschmerzen." 

Aber am Ende muss ich natürlich auch liefern. Dann entsteht eine jahrelange oft jahrzehntelange gesunde Beziehung. 


4 Felgen mit retuschierter Dokorfarbe
Statt vier verschiedener Felgen lieferte der Kunde, ein Hersteller von Tampondruckmaschinen, mir nur eine - ohne Sonderlackierung. Das Erstellen der Bildserie war für ihn völlig unkompliziert.

 

Sie benötigen Visualisierungen für ihre Projekte?
Besprechen wir die Möglichkeiten, bevor der Stress entsteht.
Kontakt aufnehmen oder direkt: fotograf@steffenbuchert.de