Man kann dazu stehen, wie man will: Photoshop ist mittlerweile ein bedeutender Teil der Tätigkeit eines Fotografen. Und oft genug ist es „die Tätigkeit“.

Kein Bild kommt ohne wenigstens ein paar Runden Bildbearbeitung aus. Da kann die dokumentarisch arbeitende Bildberichterstatterzunft inkl. der dazugehörigen Verlage erzählen, was sie will. Selbst, wenn man am Bildinhalt kein Pixel verändert, irgendwann müssen die Daten für den finalen Ausgabezweck aufbereitet werden. Würde das nicht geschehen, hätten wir jede Menge trüb-matschige Zeitungsfotos und Magazinbilder mit lustig falschen Farben.

Die größten Lügen geschehen sowieso vor der Kamera des Pressefotografen 😉

Man kann aber auch aus einer relativ unansehnlichen Menge Pixel ein ziemlich ordentliches Bild zaubern, wenn man sich nicht an  den Ehrenkodex des Pressehandwerks halten muss.

Mir werden regelmäßig Bilder geliefert, die aus tbestimmten Gründen nur „mittelmäßige“ Qualität hat. Das hat nicht automatisch etwas mit dem Unvermögen des Fotografen zu tun. Oft werden Bilder von technischen Anlagen unter Testlaufbedingungen fotografiert, also in einer für Ingenieurstätigkeiten optimal ausgeleuchteten Werkstatt. Kaum jemand hat das Geld einen Prototypen in ein Fotostudio zu transportieren (oder das Studio zum Prototypen). Und eine Reise nach Tokio, um die beim Kunden installierte Anlage unter Realbedingungen zu fotografieren wollte mir auch noch niemand finanzieren.

Was vom Foto übrigbleibt
nach der Retusche
vor der Retusche

Bei vorliegenden Bild sollte das in eine Anlage eingebaute Druckermodul so aufbereitet werden, dass man es für ein Datenblatt zur Kundenakquise nutzen konnte. Anspruchsvoll.
„Und der Zeitrahmen?“
„Hm, ja, also Übermorgen muss das in Druck.“

Alles geht, irgendwie. Man darf aber nicht glauben, dass sich aus beliebig trüber Pixelsuppe eine perfekte Produktaufnahme extrahieren ließe. Ich habe die Geometrie des Gerätes nach technischen Zeichnungen halbwegs geradegezogen, das Teil freigestellt und die meisten Oberflächen mit neuen Texturen belegt. Nachdem der Kunde das freigegeben hat, wurde noch der Standschatten und eine leckere Spiegelung dazu gebaut.

Man kann an dieser Stelle fast beliebig Zeit damit verbringen, eine professionelle Studioausleuchtung zu simulieren – der Kunde sollte allerdings vorher wissen (und abnicken), was dann finanziell auf Ihn zukommt.

Das Bild wurde nicht allzu groß gedruckt, daher war das Ausgangsmaterial gerade noch gut genug. Und Detailfehler (wer suchet, der findet) blieben ziemlich unscheinbar. Für eine 3 Meter breite Messewand hätte man wahrscheinlich noch ein oder zwei Stündchen invetieren müssen.